[Wappen] Gemeinde Altlußheim

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Meldung vom 13.03.2021:

Hätten Sie's gewußt? – Was war am 13. März 946?

Das Geburtsdatum der Gemeinde Altlußheim

Vor 1075 Jahren, am 13. März 946, wurde Altlußheim (Luzheim) erstmals schriftlich in einer Urkunde, dem „Codex minor Spirensis“ erwähnt.

Der ehemalige Redakteur der Schwetzinger Zeitung, Franz Anton Bankuti, hat sich zu diesem denkwürdigen Ereignis so seine ganz eigenen Gedanken gemacht, die er in zwei Beiträgen schriftlich festhält und zu unserem großen Dank gerne mit uns/Ihnen teilt.

„Codex minor Spirensis“ – Bild:Gemeinde Altlußheim - Auszug aus dem Jahrbuch „1050 Jahre Altlußheim“ Lupe [Bildunterschrift: „Codex minor Spirensis“ – Bild:Gemeinde Altlußheim - Auszug aus dem Jahrbuch „1050 Jahre Altlußheim“]

„Mein Gott, wie die Zeit vergeht.  Das haben  schon viele Generationen vor uns gesagt und haben genauso Recht gehabt  wie wir heutzutage. Und so jährt es sich just am heutigen Tage, dass zum allerersten Male schwarz auf weiß die Gemeinde Altlußheim erwähnt wird. Und das ist immerhin schon 1075 Jahre her. Die Urkunde trägt das Datum vom 13. März 946.

Gut, das ist die allererste nachweisliche urkundliche Erwähnung, noch lange kein „älteres Altlußheim“.  Und wir sind ja auch nicht in der Schöpfungsgeschichte der Bibel, in der es heißt: „Es werde Licht. Und es wurde Licht“.  So konnte es ja auch nicht heißen, jetzt entstehe hier Altlußheim.  Aber irgendwann nimmt die Geschichte eben ihren Anfang. Und zwar in einer nachweisbaren Art, die bis heute verfolgt werden kann, überspitzt ausgedrückt, vom Vertrag zwischen Konrad dem Roten und dem Bischof Reginbald von Speyer bis zum heutigen Tag mit Uwe Grempels als Bürgermeister an der Spitze des Rathauses.

Gewiss, derweil ist viel Wasser den Rheinbogen entlang geflossen, hatte Tulla seine Ideen der Rheinbegradigung realisiert und hat sich der Weltenlauf oft im Kreise gedreht. Wie auch immer, Altlußheim hat eine bewegte Historie hinter sich,  mitunter fast wie ein Spielball zwischen Württemberg und Baden und der Pfalz hin- und herjongliert, stets in günstiger geographischer Lage am Rhein, aber gerade das kann gerade in Kriegszeiten zu besonderen Problemen führen.

Natürlich würde es viel zu weit führen, wenn man auf vereinzelte Funde in Altlußheim aus der Bronzezeit, so etwa 1700 vor Christus und der Eisenzeit  (800 vor Christus) eingehen wollte.  Aber  römische Ansiedlungen ab etwa 50 nach Christus sind durch Grabfunde bei Altlußheim belegt  und aus dem Jahre 450 etwa stammt  das Fürstengrab bei Altlußheim, dessen auffälliges Prunkschwert Historiker beeindruckt.

Aber kommen wir zur Gegenwart zurück oder besser zu dem Zeitpunkt als alles anfing: Also in der Urkunde, die heute vor 1075 Jahren unterzeichnet  wurde,  wurde der Ort, der zum Herzogtum Rheinfranken gehörte,  vom damaligen Herzog Konrad, genannt Konrad der Rote, an den Bischof Reginald von Speyer geschenkt.  Der spätere Bischof Günther schenkte den Ort dann genau zwei Jahrhunderte später dem neugegründeten Zisterzienserkloster Maulbronn. Und damit begann im Grunde genommen auch die wechselhafte Geschichte Altlußheims, das wir in der damaligen Urkunde als „Luzheim“ finden.

Rückblickend betrachtet und vereinfacht ausgedrückt hatten die Bewohnerinnen und Bewohner des damaligen Luzheim immer wieder unter dem „Zoff“ der Hoheiten zu leiden. Im 14. Jahrhundert kam das Kloster Maulbronn, zu dem Luzheim  bekanntlich gehörte,  unter pfälzische Hoheit.  Zwischen Pfalzgraf Friedrich und Herzog Ulrich von Württemberg gab es nicht nur Ärger sondern auch einen offenen Krieg, in dessen Verlauf Luzheim zerstört wurde. Man saß „zwischen den Stühlen“, die Situation verbesserte sich erst  nach 1504 . Nachdem der Herzog von Württemberg die Pfälzer  besiegt hatte, fiel das Kloster Maulbronn an Württemberg mit der Konsequenz, dass Württemberg die Ortsrechte in Luzheim übernahm. Luzheim, später als Lußheim zu lesen, wurde zu einer württembergischen Enklave.  Der Dreißigjährige Krieg und der Pfälzische Erbfolgekrieg brachten Zerstörung, Verwüstung und Tod in die kleine Gemeinde am Rhein.

Auch wenn recht wenig Details aus der geschichtlichen Entwicklung bekannt sind, waren die Lußheimer sicherlich arbeitsame fleißige Leute, sonst hätten sie ja nicht etwa 200 000 Backsteine  herstellen und nach Speyer zum Bau des Domes liefern können.

Dabei ist natürlich auch Speyer  ein markanter Punkt und wichtiger „großer Nachbar“ von Lußheim.  Johann Wolfgang von Goethe war  bekanntlich Speyer  sehr zugetan und aus alten Überlieferungen wissen wir, dass er am 24. September 1779  diesseits des Rheines, also auf der Lußheimer Seite saß und auf die Fähre wartete, die ihn nach Speyer bringen sollte.  Ein Fährbetrieb soll zu dieser Zeit bereits seit fast fünf Jahrhunderten bestanden haben. Und während Goethe auf die Fähre wartete, war er vielleicht zuerst auch kurz in Lußheim, ist zwar nirgends erwähnt, aber wäre doch möglich, zumindest eventuell. 

Oder vielleicht saß er auf einer Bank und ein Radfahrer aus Lußheim fuhr gerade vorbei und grüßte freundlich: „Guten Tag, Herr Goethe, schön dass Sie auch mal hier bei uns sind“.  Zugegeben, das ist wohl doch eher unwahrscheinlich, schließlich schrieb man das Jahre 1779, als  Goethe  hier saß und auf die Fähre wartete, das Fahrrad, genauer gesagt, die Laufmaschine von Karl von Drais, wurde ehrlicherweise  erst  etwa 1817 erfunden wurde.  Und ob ein rechtschaffener Lußheimer den Dichterfürsten aus Frankfurt gleich erkannt hätte,  das weiß man ja auch nicht so genau...“

Ortsplan von Altlußheim von 1823 [Bildunterschrift: Ortsplan von Altlußheim von 1823]

„Zugegeben, festlich mit Pauken und Trompeten hat die verbriefte Geschichte Altlußheims nicht begonnen, eher, pardon, aber das ist Fakt, mit Mord und Totschlag. Die heute vor 1075 Jahren unterzeichnete Urkunde mit der ersten Erwähnung der Gemeinde war von Konrad dem Roten  als Schenkungsdokument und zum „Seelenheil“  von dessen Vater  ausgestellt worden. Dieser hatte  im Jahre 911  Bischof Einhard von Speyer getötet.  Nach jahrzehntelangen Untersuchungen  war Konrad der Rote bereit,  als Sühneleistung  für die Tat des Vaters  Ländereien und Rechtstitel  eben auch die heutige Altlußheimer Gemarkung betreffend, an den amtierenden Speyerer Bischof Reginbald abzugeben, Reginbald  war der Nachfolger des ermordeten Bischof Einhard.  Dabei ging es unter anderem um Leibeigenschaften, um das Münzrecht in Speyer, um Zoll,  um Steuerrechte und etwa um die damalige Salzsteuer, Pechsteuer und Weinsteuer.  Nun, damals zog man auch im politischen Bereich eben ganz andere Konsequenzen als in unseren Zeiten, von  demokratischen Wahlen wie am morgigen Sonntag war man ja eh noch  über ein Jahrtausend entfernt.

Die Geschichte Lußheims war in all den Jahrhunderten sehr wechselhaft, man war stets mehr als ein  kleines Fischerdorf am Rhein, der Fährbetrieb über den Rhein war  damals  bedeutsam und man hatte in Altlußheim  das Recht, den Fährmann für  Lußheim und auch für Ketsch zu stellen. Dies bedeutete zu jener Zeit  eine  wichtige wirtschaftliche Stellung.

Zuerst überquerte man den Rhein mit Nachen und Kähnen. Nach 1860  gab es die erste Pontonbrücke, die später sogar für Eisenbahnen  erweitert wurde.  Was da auf dem Rhein zwischen Speyer und Altlußheim jeden Tag los gewesen sein muss, kann man sich heute kaum vorstellen.  Über die Brücke fuhren Wagen und die Eisenbahn, aber auf dem Fluss fuhren ja die Schiffe. Im Klartext hieß das, dass etwa ein Dutzend Mal jeden Tag die Brücke  demontiert werden musste, um Schiffe auf dem Rhein durchfahren zu lassen,  dann wurde die Brücke wieder zusammengebaut.  Und das Tag für Tag, dabei mussten jeweils 15 Arbeiter fleißig und fix Hand anlegen.  Die erste feste Brücke gab es erst seit 1938.

Zu den historischen Besonderheiten Altlußheims zählt, dass die Gemeinde  dreihundert Jahre lang  württembergisch war, schließlich war nach Jahrhunderten des Schutzes und der Schutzbriefe von Kaisern, Königen und Päpsten der Bestand des Klosters Maulbronn und damit auch von Altlußheim  zugesagt worden.  Erst als im Jahre 1512 das Kloster Maulbronn an das Haus Württemberg ging,  war damit auch dessen „Besitzung“  Altlußheim württembergisch.

In einem „Tauschvertrag“ zwischen dem Königreich Württemberg und dem Großherzogtum Baden vom 17.Oktober 1806 wurden aufgrund der Bestimmungen der Rheinbundakte eine Reihe von Ansprüchen, Rechten und Grenzverläufen zwischen Baden und Württemberg  vertraglich geregelt. Dazu gehörte auch: Altlußheim wird badisch.  Am 23. Oktober  entließ König Friedrich von Württemberg seine Diener und Untertanen  aus ihren Untertanenpflichten  mit einer Verfügung seines geheimen Kabinet-Ministeriums.  Der neue Landesherr für die Altlußheimer war jetzt  Großherzog Karl Friedrich von Baden.  Ihm leisteten die Einwohner dann am 6. November 1806 den  Treue- und Gehorsamseid. Und seither ist Altlußheim badisch und zwischenzeitlich natürlich baden-württembergisch.

Am morgigen Sonntag sind Landtagswahlen, hier hat Altlußheim auch eine gewisse Erfahrung, schließlich gab es einen Abgeordneten aus Altlußheim.  Allerdings muss das natürlich unter „Historie“ verbucht werden, denn es sind genau 100 Jahre her, dass  Bernhard Gehweiler  im Jahre 1921 in den Badischen Landtag in Karlsruhe gewählt wurde. Er war überzeugter Sozialdemokrat, gründete hier am Ort die SPD und  war neun Jahre Bürgermeister in Altlußheim. Selbst aus dem Arbeitermilieu kommend,  erkannte er die Nöte der Menschen in der damaligen Zeit und setzte sich voll zur Verbesserung der Lebenssituationen ein, beispielsweise war er Mitbegründer der Konsumgenossenschaft Altlußheim, die zeitweilig zehn Ladengeschäfte, darunter in den Nachbarorten und auch in Hockenheim, hatte. Bernhard Gehweiler  wurde sowohl 1925 als auch 1929 wieder in den Landtag gewählt.  Eine ältere Krankheit aus seinem Kriegseinsatz und der Zeit der  Gefangenschaft nach dem Ersten Weltkrieg hatte aber seine Gesundheit so geschwächt,  dass er nach einer schweren Operation im August des Jahres 1932 im Alter von knapp 53 Jahren verstarb.

Verbunden mit Altlußheim ist auch der Name des Theologen  Emil-Frommel, nach dem ja in der Gemeinde am Rheinbogen das evangelische Gemeinde- und Veranstaltungshaus als „Frommel-Haus“ benannt wurde.  Ernst Wilhelm Frommel wurde 1828 in Karlsruhe geboren und studierte Theologie  in Halle, Erlangen und Heidelberg.  In Altlußheim war er als Vikar und danach als Pfarrer bis 1854 tätig. Wie aus verschiedenen Biographien zu entnehmen ist, muss Frommel in Altlußheim sehr beliebt und populär gewesen sein. Umgekehrt muss ihn auch die Herzlichkeit der Menschen hier  beeindruckt haben,  er hatte viele Kontakte mit den Menschen, redete mit ihnen  und erkannte wohl auch sein eigenes Erzählertalent und seine Volksverbundenheit,  die Grundlage seiner regen schriftstellerischen Tätigkeit  geworden waren. 

Nach einigen Jahren als Stadtpfarrer in Karlsruhe und danach in Wuppertal  wurde Emil Frommel als Pfarrer an die Garnisonkirche nach Berlin berufen.  Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71  war er Feldprediger und Felddivisionspfarrer, danach wurde er in Berlin Hofprediger und Militäroberpfarrer des kaiserlichen Gardekorps. Gute Beziehungen zum Kaiser hatte er ja eh, über ein Dutzend Mal begleitete er Kaiser Wilhelm zum dessen Kuraufenthalt in Bad Gastein. Mit seiner Sprache und seinem Talent, sich schriftlich  intensiv und bildhaft auszudrücken, konnte er alle Schichten der Bevölkerung ansprechen. Kein Wunder, dass seine zahlreichen Bücher und Schriften sehr beliebt waren.  Nach zwei schweren Operationen starb Emil Frommel im Alter von 68 Jahren in Plön,  wohin er sich zur Genesung zurückgezogen hatte.

Doch abschließend zurück zur Gegenwart: Aus Altlußheim stammt schließlich auch eine bundesdeutsche „Vorturnerin“ unserer Zeit. Elisabeth Seitz ist eine der erfolgreichsten Turnsportlerinnen unserer Zeit, sie überzeugt nicht nur mit ihren Leistungen am Stufenbarren und bei anderen Turndisziplinen,  sie beeindruckt auch mit ihrem Charme und ihrer Persönlichkeit. Elisabeth Seitz gehört der Turn-Nationalmannschaft an, es  gibt auch ein individuelles Turnelement, das sie entwickelt hat und das  international den Namen „Seitz“ trägt.  Jahrelang turnte sie für die TG Mannheim,  zwischenzeitlich ist sie  beim MTV Stuttgart.  Also schon wieder „Altlußheim und württembergisch“? Auf keinen  Fall, hier geht es nur um den Sport und die erfolgreiche Laufbahn einer jungen Altlußheimerin. 


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Auf dem Rheindamm Lupe [Bildunterschrift: Auf dem Rheindamm]
 

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