Volkstrauertag hat angesichts der Kriege und des Leids wieder besonderen Stellenwert
Am diesjährigen Volkstrauertag versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger auf dem Friedhof in Altlußheim, um der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Bürgermeister Uwe Grempels begrüßte die Anwesenden und eröffnete die Gedenkveranstaltung, die in diesem Jahr im Zeichen des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs stand.
Zu Beginn sprach Pastoralreferent Felix Mallek von der katholischen Seelsorgeeinheit Hockenheim ein Friedensgebet. Musikalisch wurde die Feierstunde vom Musikverein Altlußheim unter der Leitung von Felix Porath begleitet. Gemeinsam mit Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr legte Bürgermeister Grempels anschließend Kränze an den Denkmälern für die Gefallenen beider Weltkriege nieder.
In seiner Ansprache erinnerte Bürgermeister Grempels an die historischen Dimensionen des Zweiten Weltkriegs, der am 1. September 1939 begann und am 8. Mai 1945 endete. Mit rund 60 Millionen Toten, Millionen Vertriebenen und unzähligen gebrochenen Biografien stelle er einen Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte dar. Grempels betonte, dass Zahlen zwar eine Vorstellung vom Ausmaß des Leids vermitteln könnten, aber erst persönliche Schicksale spürbar machten, welche Folgen Krieg und Gewalt tatsächlich haben.
In diesem Zusammenhang richtete der Bürgermeister den Blick auf ein weniger bekanntes Kapitel der Nachkriegszeit: die Deportationen deutscher Bevölkerungsgruppen in die Sowjetunion aufgrund von Stalins Geheimbefehl 7161. Anfang 1945 wurden rund 70.000 Rumäniendeutsche zur Zwangsarbeit verschleppt, Tausende überlebten die harten Bedingungen nicht. Viele Betroffene konnten erst nach 1990 offen über ihr Schicksal berichten.
Grempels berichtete hierzu auch von seiner eigenen Großmutter, die 1945 als 29-jährige Mutter zweier kleiner Kinder nach Russland deportiert wurde und erst vier Jahre später zurückkehrte. Ihre Geschichte stehe stellvertretend für das Leid vieler Menschen, das weit über das Kriegsende hinausreichte. Sie mache deutlich, dass hinter historischen Ereignissen immer individuelle Lebensgeschichten stehen – geprägt von Trennung, Angst, Hoffnung und unglaublicher Stärke.
„Wir wollen am heutigen Volkstrauertag nicht nur die Opfer zählen, sondern ihnen eine Stimme geben“, sagte der Bürgermeister. Gedenken bedeute, Verantwortung zu übernehmen: für Frieden und für Menschlichkeit. Nur durch ehrliche Erinnerung könne man kommende Generationen vor den Schrecken von Krieg und Gewalt schützen. Seine Ansprache schloss Grempels mit einem Zitat von Käthe Kollwitz: „Die eigentlichen Verlierer der Kriege sind immer die Eltern, die Frauen, die Mütter.“
Im Anschluss folgte das Totengedenken, in dem an die Opfer von Krieg, Terror, Verfolgung, Extremismus und Hass erinnert wurde – damals wie heute. Besonders gedachte man auch der Einsatzkräfte, die im Dienst ihr Leben verloren haben.
Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Bürgermeister Grempels allen Mitwirkenden: Pastoralreferent Felix Mallek für das Friedensgebet, dem Musikverein für die feierliche musikalische Umrahmung, der Freiwilligen Feuerwehr sowie den Helferinnen und Helfern des Deutschen Roten Kreuzes. Ein besonderer Dank galt zudem all jenen Bürgerinnen und Bürgern, die seit vielen Jahren ehrenamtlich und unentgeltlich die Kriegsgräber in Altlußheim pflegen. Mit den Worten der Wertschätzung und Erinnerung endete die diesjährige Gedenkfeier zum Volkstrauertag.





