[Wappen] Gemeinde Altlußheim

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Altlußheim im historischen Überblick

Die Anfänge

Mit seiner topographischen Lage auf einem nordwärts gerichteten Sporn einer Rheinterrasse und ca. fünf Meter über der heutigen Aue, ist die Gemarkung von Altlußheim hochwassersicherer und prädestinierter Ansatzpunkt einer Besiedlung. Einzelne Funde aus dem Neolithikum (4./3. Jt. vor Chr.) belegen die Anwesenheit früher Menschen. Erste ansässige Menschen werden durch Grab- und Siedlungsfunde aus der Zeit der Bandkeramiker (1. Jt. v. Chr.) nachgewiesen. Bronzezeit und Eisenzeit sind durch Einzelfunde belegt.

Die Römerzeit

Mit der Ausdehnung des römischen Reiches nach Norden im 1. Jh. n. Chr. wird der Siedlungsplatz Altlußheim zum bedeutenden Brückenkopf der Fernstraße Bad Wimpfen – Speyer. Obwohl eine geschlossene römische Siedlung bislang nicht gefunden werden konnte, lassen die Grabfunde im Hubwald aus der Zeit 50/70 bis 200/230 n. Chr. eine Dominanz römischer Bevölkerungsschichten im Gebiet von Altlußheim erkennen. Die Lokalisierung eines römischen Feldlagers im Norden der Gemarkung lässt den Schluss zu, dass römische Truppen aus Noviomagus (Speyer), der größten Siedlung der Region im zweiten Jahrhundert, das rechtsrheinische Ufer nicht ständig besetzt hatten, jedoch dort durch militärische Übungen und durch die nur leicht geschützte zivile Ansiedlung Präsenz und Machtanspruch dokumentierten. Die Verbindung beider Ufer wurde wahrscheinlich durch einen Fährbetrieb Aufrecht erhalten. Eine dauerhafte Brücke ist bislang nicht nachgewiesen.

Das Prunkschwert von Altlußheim

Mit dem Rückzug des römischen Reiches aus den nördlichen Provinzen in der zweiten Hälfte des 3. Jh. n. Chr. begann eine Zeit der intensiven Umgestaltung auch im Bereich um Altlußheim. Der durch die Bewegung von Bevölkerungsschichten aus dem Norden erzeugte Druck auf die südlichen Siedlungsgebiete führte zunächst zum Durchzug unterschiedlichster Bevölkerungsteile und später zur andauernden Ansiedlung neuer Stämme. Die europaweite Völkerwanderung führte nach Altlußheim in der Mitte des 5. Jahrhunderts ein Gruppe von Menschen, deren Anwesenheit alleine durch ein Grab im Gewann Zwerchgraben dokumentiert ist. Das Grab, das die sterblichen Überreste eines Mannes und einer Frau enthielt, wurde bei Arbeiten des Arbeitsdienstes 1932 geöffnet und war mit einer Reihe von Beigaben ausgestattet. Darunter fand sich ein reich verziertes, zweischneidiges Schwert in einer hölzernen, mit Goldauflage verzierten Scheide. Die Parierstange der Waffe ist mit Reihen herzförmiger, mit Almandin (roter Halbedelstein) ausgelegter Ornamente aus Gold verziert. Form und Herstellungsart verweisen das Fundstück in eine Werkstatt des persisch-kasachischen Kulturkreises. Das Schwert das heute im Badischen Landesmuseum (Kopie in Mannheim) aufbewahrt wird, hat dadurch eine weit über die Region reichende Bedeutung. Zum 50. Jahrestag der Entdeckung wurde 1982 eine Ehrentafel unweit der Fundstelle enthüllt, die den Fund des „Fürstengrabes“ würdigt.

In die Epoche der Völkerwanderung fällt auch die Ankunft der Sueben – Neckarsueben. Sie gehören in die große Völkergemeinschaft der Alamannen. Ihre Heimat war das Gebiet an der Elbe um Dresden.

Die Merowinger können auf Gemarkung Altlußheim ebenfalls nachgewiesen werden. Grabfunde, besonders die Funde von Trinkgläsern an der heutigen Kirschenstraße und dem Sportplatzgelände zeugen von großer Formenvielfalt und der hohen handwerklichen Fertigkeit der Glasmacher des 5./6. Jahrhunderts. Damit vereinen die Merowinger zum einen die alte Kunst des Glasmachens aus römischer Zeit mit dem endgültigen Sesshaftwerden und der damit verbundenen Konsolidierung der Siedlungen nach der Völkerwanderungszeit.

Die Grabfunde von Altlußheim gehören zu einer Siedlung, die bislang jedoch noch nicht gefunden werden konnte.

Die Ersterwähnung Altlußheims in einer Urkunde datiert vom 13. März 946.

Diese Urkunde; war von Konrad dem Roten als Schenkungs- bzw. Tauschdokument und zum Seelenheil seines Vaters, der einen Mord begangen hatte, ausgestellt worden. Er musste 4 Hufe Ackerland, das Recht, Diebe zu ergreifen, Diebesgut einzuziehen und das Konzessionsrecht für Handel und Gewerbe in dem Dorfe Lußheim an Bischof Reginbald von Speyer abgetreten. Im Gegenzug erhielt Konrad die Orte Rödersheim, Dürkheim und Erpolzheim mit verschiedenen Besitzungen, so dass er sein Stammland in der Pfalz erheblich abrunden konnte.

Der Name der Siedlung lässt zwei Deutungen zu. Zum einen ist der Name auf das „Heim des Lusso“ zurückzuführen. Zum anderen lässt sich der Ortsname auf das althochdeutsche „lus“ (Ried, Sumpf) oder die mittelhochdeutschen Begriffe „liesche“ (Riedgras) oder „luße“ (Fischwasser) als Wortstamm zurückführen. Im Laufe der Jahrhunderte erfährt der Name verschiedene Schreibweisen: villa Luzheim, Luzheim, Luezheim, Lozheim, Luzsheim, Lussen, Lussaw, Loßen.

Bischof Günther von Speyer schenkte den Ort dem 1148 neu gegründeten Kloster Maulbronn. Damit begann für Altlußheim eine nicht immer glückliche Zeit unter zwei, unabhängig voneinander agierenden Herren – dem Kloster Maulbronn und dem Hochstift Speyer. Maulbronn hatte das Recht der Bestellung von Schultheiß, Gericht und Bürgermeister. Das Hochstift blieb weiterhin im Besitz der Schutz-, Schirm- und Vogteigerechtigkeit, der Leibeigenschaft und einer Reihe anderer Rechtstitel.

Kaiser, Könige und Päpste sichern in den folgenden Jahrhunderten den Bestand des Klosters Maulbronn und damit auch Altlußheims durch Schutzbriefe. Bereits am 8. Januar 1156 stellte Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Kloster sowie die „grangie de Lochenheim“ unter seinen direkten Schutz. Ebenso verfahren Papst Alexander III. (1177), Innozenz IV. (1244, 1245) und Alexander IV.

Die Pfälzer Fehde (1460-62) beendet mit ihren Folgeerscheinungen Zerstörung und Hungersnot sowie der förmlichen Abtretung des Klosters Maulbronn mit seiner Besitzung Altlußheim im Jahr 1512 die klösterliche Herrschaft. Die 300 Jahre anhaltende Hoheit des Hauses Württemberg über das Dorf Altlußheim begann.

Die Kriege der frühen Neuzeit aber auch die Auseinandersetzungen des 17. und 18. Jahrhunderts gingen an Altlußheim nicht spurlos vorbei. Zerstörung, Hungersnot und die Reduzierung der Bevölkerung auf wenige Personen waren die direkten Folgen jeder kriegerischen Auseinandersetzung. Daneben waren Einquartierungen verschiedenster Truppen und der Satz: „Was er immer solcher Zeit verzöhrt und dem Wirth und Becker schuldig geblieben, fiel der Commun zur Last anheim “ eine gewohnte Erscheinung.

Die Polizeiverordnung von 1586 richtete sich mit ihren 19 Leitsätzen „gegen Manns- und Weibspersonen … von denen allerlei Ungehorsam gegen die Obrigkeit ausgehen und deren Unzucht, Schand und Laster, Fluchen, Schwören, Verachtung Gottes und seines heiligen Wortes, ruchlos, yppig und verthonisch Wesen in Schwank und Übung … gingen“. Die Verordnung basierte in ihren Festsetzungen auf Rechtsvorschriften des Klosters und einzelnen Verträgen von 1506, 1516 und 1575.

Leibeigene und Bürger bildeten die Einwohner Altlußheims. Dazu kamen noch Personen, wie Knechte, Mägde, Handwerksburschen, die in den offiziellen Einwohnerlisten nicht aufgeführt wurden. Sie waren in gesonderten Verzeichnissen aufgelistet. So sind für das Rechnungsjahr 1805/6 in Altlußheim 135 Familien mit 739 Personen und weitere 155 Personen fremder Herkunft erfasst.
Auf Grund der Zugehörigkeit Altlußheims zu zwei Herrschern ergaben sich auch bei den leibeigenen Personen besondere Verhältnisse. Seit der vertraglichen Festlegung von 1575 gab es in Altlußheim „ganze“ und „hälftige“ Leibeigene. Georgi 1745 waren sieben ganze und 546 hälftige Leibeigene erfasst. Die Leibeigenschaft wurde in Altlußheim de jure mit dem Inkrafttreten der badischen Verfassung am 22. August 1818 endgültig abgeschafft.
Der Status Bürger, der unter anderem die Nutzung von Weideflächen beinhaltete, war an die Zahlung von 4 Gulden gebunden die sich Gemeinde und das Hochstift Speyer teilten. Die seit 1586 gültige Regelung erfuhr im Laufe der Zeit mannigfaltige Veränderungen und wurde erst im Jahr 1955 aufgegeben. Voraussetzung für den Erwerb des Bürgerrechts waren einwandfreier Leumund, ein Besitz von 200 Gulden und der Bewerber musste mindestens 27 Jahre alt sein.

Lussheimer Fahr war über viele Jahrhunderte hinweg die Bezeichnung für die Fährverbindung zwischen Altlußheim und Speyer. Die Fähre war die wichtigste Verbindung über den Rhein und wurde bis zum 19. Jahrhundert mittels Nachen und Kähnen betrieben. Der Betreiber der Fähre, der Fergenmeister, war ein angesehener Gewerbetreibender, der große Geldbeträge als Ablösesumme für einen meist auf zehn Jahre abgeschlossenen Vertrag investieren musste. Kaiser und Könige, Heerführer und Händler querten hier den Rhein. 1840 wurde der Ruderbetrieb vom Betrieb mit einer Gierkette abgelöst. Eine erste Pontonbrücke wurde 1865 eingeweiht und 1873 eisenbahntauglich umgebaut. Der Eisenbahnbetrieb über diese Brücke, die zur Aufrechterhaltung des Schiffverkehrs auf dem Rhein täglich 10-15 mal demontiert werden musste, wurde erst 1938 durch die erste feste Brücke abgelöst. Am 23. März 1945 wurde das Bauwerk durch deutsche Pioniere gesprengt. Zonen-Kattel (Motorboot Katharina) und das Fährschiff „Pfalz“ übernahmen bis 1950, bis zur Fertigstellung der neuen Brücke, Salierbrücke, den Fährbetrieb nach Speyer.

Holz, Backsteine und Tabak waren seit dem frühen 18. Jahrhundert die wirtschaftlichen Grundpfeiler der Gemeinde. Die Wälder der Lußhardt um Altlußheim waren auf Grund der naturräumlichen Ausstattung bevorzugter Standort von Eichen und Buchen. Als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Nachfrage nach großen Baumstämmen stark anstieg, wurden auch die Bestände im Altlußheimer Gemeindewald und im Hubwald ein begehrtes Handelsobjekt. 1784/85 wurden aus dem Gemeindewald 211 Eichenstämme unter der Bezeichnung „Holländer-Stämme“ (Stämme mit bestimmten Maßen) geschlagen und verkauft. Andere Holzsorten wurden an die Bewohner abgegeben, von den Hubwaldbesitzern (Hübnern) zum Eigenbedarf geschlagen bzw. als Steuerzahlungsmittel an das Domkapitel und den württembergischen Hof abgegeben.
Backsteine wurden für ca. 200 Jahre in Altlußheim hergestellt. Im 18. Jahrhundert wurden sie in „Feldbrennereien“ gebrannt und als Handelsgut per Schiff versandt. Über die Anlegestelle bei der Pferdeschwemme – heute das Gelände westlich des Festplatzes – wurden 1754 auch 200 000 Backsteine nach Speyer zum Wiederaufbau der Westfront des Domes verschifft. Aus den Restlöchern der Materialgewinnung wurden Mülldeponien, Standorte kleiner Wäldchen, aber auch die Seen des Gewannes „Bärlach“. Auch die Bezeichnung „Ziegelstraße“ weist auf die Backsteinproduktion in Altlußheim hin die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde.
Tabak war im 18. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Anbau- und Handelsgut. Anbau und die Trocknung in den charakteristischen Scheunen prägten das Gemeindebild. Die Verwiegung des Tabaks, aber auch von Hopfen (bis 1898) auf der gemeindeeigenen Waage hatte überregionale Bedeutung - im Rekordjahr 1886 wurden ca. 188 t Rohtabak zur Verwiegung angeliefert. Ein großer Teil davon wurde in den ansässigen Zigarrenfabriken zu Rauchwaren verarbeitet.

Altlußheim badisch – so hieß es im Spätjahr 1806. Im Zuge der Maßnahmen zur Neuregelung der Landesgrenzen im Südwesten des Deutschen Reiches und der Schaffung des Landes Baden stand auch das württembergische Altlußheim zur Disposition der napoleonischen Politik. Besonders das Gelände des Domkapitels in Speyer auf der rechten Rheinseite wurde unter badische Hoheit gestellt – die Gemarkung Altlußheims wuchs um ca. 25 % - und alle Rechte gingen auf den neuen badischen Staat über. Es folgte eine Reihe von organisatorischen Änderungen in Recht und Verwaltung, die frühe Aufgabe der Leibeigenschaft sowie der Erlass einer fortschrittlichen Verfassung des Landes waren Ausdruck des neuen Staatsverständnisses. Damit war der Grundstock für das Wachsen des Landes und der Gemeine Altlußheim gelegt.

Altlußheim wächst in der Folge der Vertreibungen nach dem II. Weltkrieg durch die Ansiedlung großer Bevölkerungsteile. Es entsteht in der Donauschwabensiedlung (Bereich: Goethe-, Tulla-, Körner-, Hockenheimer Straße) ein neuer Ortsteil im Nordosten des alten Ortskerns. Weitere Neubaugebiete (Kirchfeldflur, Altreut 2 und 3) schießen sich in der Folge im Süden der alten Besiedlung an.

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